Digitizing the Church – Challenges for Academic Theology

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“Digital church” (#DigitaleKirche) is currently much discussed. It’s inspiring (and sometimes amusing) to follow the debates about digital tools, social media, helpful apps, or the latest means of communication in all fields of ecclesiastical life. Thinking about “blessing robots,” “donation apps,” or “pastoring chat bots” is an important step to usher the church into the daily digital experience of their (potential) members. I think the church has to go that way for communicational and administrative reasons as long as digital technology supports pastoral tasks and doesn’t replace “offline” community. In this way, #DigitaleKirche is an esteem of the communicative fundamental structure of the church and, also, of the ways communication between people has changed.Besides the communicative facet of #DigitaleKirche, we must consider technological progress. For years, pastoral offices and church leadership administrate their areas computerized with databases, administrative software, digital Bible editions. Some regional churches even offer mailing servers like “Exchange” for all their pastors to synchronize mails, contacts, calendars between the office, private computers, and smartphones. I could endlessly proceed the list of digital facilities the church uses for an internal use of communication with their stuff. In these fields, church is already highly digital!

In all of these “digital cases” of the #DigitaleKirche, you must not forget the challenges which arise for academic theology. Digitization of the church brings specific problems for theological research which concerns – in my opinion – at least three dimensions:

The ethical dimension of a #DigitaleKirche is constituted in an original field of theology. Scholars and practicians have to ask how far digitization should go. As I mentioned above, tools should support, not replace. For sure, we are not talking about a “digital faith” or a “web-only-church” either. But the deep ethical interest should be to reflect on applying “digital” in a useful and fruitful way.

This leads to the practical dimension of #DigitaleKirche and the genuine interests of the practical theology. “Digital” enriches religious education, homiletics, but also empiric research in an unprecedented way. During this semester, my colleague Christopher Nunn provides a course for teachers and educational students, where they collect didactical ideas using digital methods in religious education (he will introduce some results in another post). Analyzing sermons is another great opportunity for the use of digital methods. For the upcoming semester, we initialize a course in co-operation with computational linguistics to find indications of a specific language in sermons. We also think about topic modelling, collocation analyses, gender specific language, etc. The empiric research is not to be underestimated either. Can you imagine discourse, twitter, or social media analyses about the public perception of churches? I think in these cases, data and digital analyses are a rich treasure of source, which could deepen insights for church leadership and administration.

The aspect of digital analyses is tangent to the third dimension: a methodological dimension of #DigitaleKirche. Here the old questions of the relation between church and (academic) theology come up. I cannot offer a solution for that question, but I can point out what could happen if the theological disciplines changed their “digital strategies.” It shouldn’t be forgotten that a theologian was the “inventor” of “digital humanities.” In 1946, the  Index Thomisticus was the first project of computing scholars (in co-operation with IBM), which created a concordance as database of the complete works of Thomas Aquinas.

The computational techniques changed during the last 70 years, as well as the digitized source materials. Now, theology, biblical studies, dogmatics, church history, and any other text-based sciences have the great opportunity to refer to the roots of Digital Humanities and to use their techniques again, or maybe better: the methods of computing historians, linguists, classicist etc. Wouldn’t it be rewarding if theologians could look at the Bible or theological/historical texts in a different and additional (methodic) light? For sure, nobody can predict that we will gain spectacular new insights. But I’m sure, we will win new arguments for a deeper analysis of theological and ecclesiastical habits.


#DigitaleKirche – und was die akademische Theologie damit zu tun hat

 

In letzter Zeit wird häufig über die #DigitaleKirche diskutiert. Ich finde viele Impulse, die unter dem Hashtag auf Twitter geteilt werden sehr inspirierend für meine eigene Arbeit und manchmal amüsiert mich die Debatte auch ein wenig, besonders wenn es um Digitale Tools, Social Media, hilfreiche Apps oder einfach nur die jüngsten Kommunikationsformen in allen Bereichen kirchlichen Lebens geht. So abwegig es für manche klingen mag: Über „segnende Roboter“, Spendenapps oder Chatbots in der Seelsorge nachzudenken, ist ein wichtiger Schritt, der ein wenig mehr Verständnis für die alltäglichen digitalen Erfahrungen der (potentiellen) Kirchenmitglieder schafft. Ich denke, dass Kirche genau diesen digitalen Weg gehen muss, um neue kommunikative und administrative Strukturen zu schaffen, die pastorale Aufgaben unterstützen, aber natürlich nicht die „offline“ Gemeinschaft ersetzen. #DigitaleKirche ist daher eine Wertschätzung der kommunikativen Grundstruktur der Kirche und damit auch ein klares Bekenntnis dazu, dass Gemeinschaft innerhalb der Kirche gestärkt wird, wo man sich darauf einlässt, dass sich die Kommunikationsformen zwischen Menschen verändert haben.

#DigitaleKirche muss neben dem kommunikativen Aspekt aber auch den technologischen Fortschritt beachten. Schon seit vielen Jahren verwalten Pfarrämter und Kirchenleitungen ihre Aufgabenbereiche mit Datenbanken, Verwaltungssoftware, digitalen Bibeledition. Einige Landeskirchen haben ihre E-Mail-Kommunikation bereits auf Serverinfrastruktur wie „Exchange“ umgestellt, sodass ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jederzeit Nachrichten, Termine, Kontakte usw. zwischen Büro, Smartphone und dem privaten Arbeitszimmer synchronisieren können. Die Liste mit digitalen Hilfsmitteln im internen Gebrauch ließe sich endlos fortsetzen und zeigt: In diesen Bereichen ist Kirche schon äußerst digital!

In all diesen Anwendungsbereichen darf nicht übersehen werden, dass #DigitaleKirche zu großen Herausforderungen für die akademische Theologie führt. Die Digitalisierung der Kirche wirkt sich nämlich unmittelbar auf die theologische Forschung aus und berüht – meiner Ansicht nach – mindestens drei Bereiche:

Mit der ethischen Dimension fordert #DigitaleKirche ein originäres Feld der Theologie heraus. Theologen an Universitäten und in der Praxis müssen sich plötzlich fragen, wie weit darf man eigentlich gehen mit der Digitalisierung. Ich habe bereits angedeutet, dass „Tools“ unterstützen und nicht ersetzen sollen. Das tiefere ethische Interesse sollte aber darin liegen, nach nützlichen und fruchtbaren Anwendungsweisen des „Digitalen“ zu fragen.

Nützlich und fruchtbar ist sicherlich die praktische Dimension, die #DigitaleKirche mit sich bringt. Es ist das natürliche Interesse der Praktischen Theologie danach zu fragen, wie „digital“ die Religionspädagogik, Homiletik, aber auch die empirische Forschung bereichern kann. Wir haben hier plötzlich nie dagewesene Möglichkeiten: Im laufenden Semester beschäftigt sich mein Kollege Christopher Nunn mit didaktischen Ideen, um digitale Methoden im Religionsunterricht anzuwenden. Er bietet dazu ein Seminar an und wird ein paar Idee auch in einem anderen Blog-Post vorstellen. Predigtanalyse ist eine andere Möglichkeit, um digitale Methoden auszuprobieren. In Kooperation mit Computerlinguisten werden wir im Wintersemester eine Veranstaltung anbieten, die sich mit einer spezifischen Predigtsprache beschäftigen wird. Greift man auf tausende digitalisierte Predigten zu, lassen sich hier sicherlich Themenschwerpunkte in bestimmten Jahren, eine genderspezifische Sprache, häufige Wort-Kollokationen und sicher noch andere, sprachliche Besonderheiten Dinge entdecken, die wir bislang nicht so sehr „auf dem Schirm“ hatten. Und letztlich ist die #DigitaleKirche auch für die empirische Forschung ein Gewinn. Ich würde gerne einmal wissen, wie Kirche in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, wenn man hierfür eine Diskurs-, Twitter- oder Social Media Analyse zugrunde legt. In diesem Bereich werden allein die öffentlich verfügbaren Daten einen reichen Datenschatz bieten für einen immensen Erkenntnisgewinn über Kirchenleitung und Gemeindeaufbau.

Der Aspekt der digitalen Analyse berührt die dritte Dimension, eine methodologische Dimension, in der sich #DigitaleKirche auf die Theologie auswirkt. Sicherlich wird hier die alte Frage nach dem Verhältnis von Kirche und (akademischer) Theologie aufgeworfen, für die ich hier keine Antwort anbieten werden. Es geht mir mehr darum, aufzuzeigen, wie sich digitale Strategien auf die Arbeit aller theologischen Disziplinen auswirken. Man darf schließlich nicht vergessen, dass das, was wir heute „Digital Humanities“ nennen, ursprünglich auf die Arbeit von Theologen zurückgeht. 1946 war der  Index Thomisticus das erste computerbasierte Forschungsprojekt (in Kooperation mit IBM), das rechnergestützt eine Datenbank und Konkordanz aller Werke von Thomas von Aquins anlegte. Natürlich haben sich die Techniken in den letzten 70 Jahren geändert und Konkordanzen und Volltextsuchen gehören nicht mehr zu den großen Herausforderungen der Digital Humanities.

Die große Menge an digitalisierten Quellen wird aber sicherlich die Arbeitsweisen in allen Disziplinen verändern. In der Exegese, Dogmatik, Kirchengeschichte – eigentlich allen textbasierten Disziplinen – hat die Theologie nun die großartige Möglichkeit, sich auf die Wurzeln der „Digital Humanities“ zu berufen und deren Methoden auszuprobieren. Wäre es nicht faszinierend, mit authorship recognition, topic modelling, Metaphernanalyse … kurz: den Zugängen der „computing“ Historikern, Linguisten, Klassizisten usw. biblische, kirchenhistorische, dogmatische Texte in einem völlig neuen Licht zu betrachten? Sicherlich weiß niemand, ob wir wirklich zu völlig neuen Erkenntnissen gelangen, aber bestimmt zu neuen Argumenten, mit denen sich alle Theologinnen und Theologen auseinandersetzen müssten.

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